Der Dingo-Delinquent // Roadtrip Western Australia, Norden: Teil II

Auf Achse

An unserem dritten Roadtrip-Tag sind wir besonders früh im Bett. Schon jetzt passt sich unser Rhythmus dem der Sonne an. Die Gliedmaßen sind schwer, die Lider erst recht; unsere Gedanken driften langsam Richtung Traumwelt ab. Und dann sind wir plötzlich doch wieder wieder hellwach – einer speziellen Begegnung sei Dank.

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// 22/08/2017 | Meekatharra – Newman, 520 km

Kaum zu glauben, dass der Tag, der so früh für uns begann, jetzt, 520 gefahrene Kilometer später, schon wieder fast am Ende sein soll. Am Ende – wie wir. Ein Tag im Auto, unterbrochen nur durch zwei längere Stops, mehrere kurze. Darunter einer bei einer Tankstelle: Benzin und eine Dusche – die erste dieses Trips. 

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir auf der Rest Area irgendwo hinter Newman an. Beide sind wir erledigt, so richtig, schaffen es mit etwas Mühe gerade noch, das Zelt aufzubauen und Essen aufzuwärmen. Wir sind dankbar dafür, dass noch Reste vom Vortag übrig sind, dankbar auch für die Luftpumpe mit Zigarettenanzünderanschluss, die bei unserer gebraucht gekauften Campingausrüstung dabei war und uns vorm manuellen Aufpumpen der großen Matratze bewahrt. Alleine die Heringe in den Boden zu rammen, kostet mehr Kraft als wir noch zu haben glauben.

Noch vor Dunkelheit liegen wir auf der breiten blauen Matratze, die ziemlich perfekt in das  Zelt passt, wundern uns noch, dass sie keine Luft verliert, wo das doch diese Art Polster aller Erfahrung nach immer tut. 

Eine bequeme Position zu finden, fällt mir nach dem vielen Sitzen nicht schwer. Kaum in die Decke eingewickelt, hat die Müdigkeit Besitz über meinen Körper ergriffen und ich muss mich zusammenreißen, nicht einzuschlafen. Obwohl ich mir sicher bin, dass sich Stefans Bewusstseinszustand kaum von dem meinen unterscheidet, gebe ich vor, topfit zu sein – der Dokuserie wegen, die wir noch schauen wollen und auf die ich mich in Wahrheit doch nur noch mit größter Anstrengung konzentrieren kann.

Ich bin kurz davor, mich dem drohenden Dämmerzustand zu ergeben, ergeben zu müssen, da lässt mich eine Bewegung zu meiner Linken plötzlich hochschrecken. Aus dem Augenwinkel nehme ich einen Schatten wahr: vier Pfoten, Schwanz, spitze Ohren. Immerhin kurz bin ich mir sicher, eine schwarze Katze sei in unserem Zelt, bevor ich mir noch im gleichen Moment der Absurdität dieses Gedankens bewusst werde. Gerade habe ich Stefan auf das Gesehene aufmerksam gemacht, da wiederholt sich das Ganze. Die Konturen des Tieres sind deutlich zu erkennen, wieder geht es direkt an unserem Zelt vorbei, wieder an meiner Seite, dieses Mal in die andere Richtung. Wir wundern uns, was das Tier, von dem wir mittlerweile sicher sind, dass es ein Dingo sein muss, hier wollen könnte; immer wieder kommt es an gleicher Stelle vorbei, läuft hin und her. Wenig später hören wir ein Quietschen, das klingt, als würde das Tier, welches wir zu diesem Zeitpunkt schon ungewöhnlich lange nicht mehr gesehen haben, auf etwas herumbeißen, und während Stefan, der als letztes ins Zelt ging, noch seine Gedanken sortiert und laut überlegt, was er noch hat draußen herumstehen sehen, wird mir die Antwort schlagartig klar. Die Schuhe. Ein neugieriger Blick nach draußen, das Zelt dabei nur so weit geöffnet, dass gerade so mein Kopf hindurch passt. Der Platz davor leer, zwei leuchtende Augen im Feld gegenüber. Die Bestätigung. Nur dass gleich alle beiden Paare weg sind, damit haben wir nicht gerechnet. Ich ziehe den Reißverschluss wieder zu. In Zeitlupe, weil ich unterbewusst zu glauben scheine, dass langsamer auch leiser bedeutet und ich den Wildhund, von dem wir nicht wissen, wie wild er wirklich ist, nicht stören möchte. 

Wir lachen – das werden wir noch sehr viel öfter tun – über den Dingo, über uns, die ganze Situation an sich, verdrängen das Thema Schuhe dann erstmal und entscheiden uns, zu schlafen. Es soll die erste Nacht werden, in der sich die zu früh gelobte Matratze von einer neuen Seite zeigt, die erste Nacht, in der wir mittendrin aufwachen weil sich die kleinen Steinchen irgendwann doch in den Körper zu bohren drohen. Scheiße, hätten wir doch bloß nichts gesagt.

Was meine im Feld gegenüber aufgetauchten Adiletten mit Dingo-Bissspuren angeht: ich trag‘ sie mit Stolz! (Anders als Stefan. Dessen Schuhe ließen sich leider nicht mehr retten.)

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Sophie

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