Voll versackt #urlaubvomurlaub // Koh Lanta, Thailand

Abschalten

„Hoffentlich fällt uns nicht die Decke auf den Kopf“, sagt Stefan. Schließlich, erklärt er, gäbe es auf der Insel wirklich nicht so viel zu tun. Und elf Tage können ganz schön lang sein.

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// 21.04. – 02.05.2017 | Koh Lanta

Tasächlich ist im Grunde jeder unserer Tage auf Lanta Yai, dem erschlosseneren Teil der Doppelinsel Koh Lanta, irgendwie gleich. Wir pendeln von Pool zu Strand zurück zum Pool und zwischendurch schaffen wir es außerdem hin und wieder runter vom Hotelgelände, raus auf die Straße: Essen suchen. An zwei besonders motivierten Tagen kriegen wir es sogar hin, die Insel mit dem Roller zu erkunden. Zumindest für eine Weile, bis wir uns dann nachmittags doch wieder, irgendwie erschöpft, auf die Strandliegen fallen lassen. Uns geht es gut dabei. Obwohl unsere Zeit zu fünft auf Koh Chang bereits ähnlich faul war: noch haben wir nicht genug vom Rumliegen.

Wie sehr sich unsere Körper nach dieser Ruhe sehnten, wie gut es unseren Gehirnen tut, nicht täglich unendlich viele neue Eindrücke verarbeiten zu müssen, dessen waren wir uns vorher kaum bewusst. Es fühlt sich gut an, länger an einem Ort zu bleiben. Nicht aus dem Rucksack zu leben, sich stattdessen die Mühe machen, diesen auszuräumen. Sich sogar mal wieder vorsichtig an die Verwendung eines Kleiderschrankes heranzutasten.

Koh Lanta tut uns gut –

Von sowas wie Liebe auf den ersten Blick kann trotzdem keine Rede sein:

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HINKOMMEN | Nach dem knapp anderthalbstündigem Flug von Bangkok nach Krabi sind wir längst nicht am Ziel. Den Transfer vom Flughafen zur Insel buchen wir nach halbherzigem Preisvergleich direkt vor Ort. Sowieso verlangen alle Anbieter ähnlich „viel“ Geld – so zahlen wir für die ruckelige Fahrt, die inklusive Überfahrt mit der Fähre fast drei Stunden dauern wird, umgerechnet ca. 5 Euro pro Person. Nach kurzer Wartezeit werden wir in einen Minibus verfrachtet, dessen Fahrer uns abends direkt vor unserem Hotel ablädt. Unserem ersten. Es befindet sich relativ mittig am westlichen Rand von Lanta Yai, dem (mit 27 km Länge und 12–15 km Breite) größeren der beiden durch eine Brücke verbundenen Teile der Doppelinsel. Während Lanta Noi / Klein-Lanta, wo wir mit der Fähre anlegten, nahezu unbewohnt​ ist, ist dieser Teil der Insel vor allem touristisch erschlossen. Zu touristisch, denke ich zuerst. Die Umgebung finde ich höchstens mittelmäßig und das so gut bewertete Restaurant direkt neben unserer Unterkunft, das wir am Ankunftsabend besuchen, ist auch eher ein Reinfall.

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UMZIEHEN | Bald darauf ziehen wir um. Das war bereits geplant, die erste Unterkunft eher zur Überbrückung gedacht, weil bei dem eigentlichen Hotel der Wahl für die ersten beiden Nächte nichts mehr frei war. Wir schnallen unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Es sind nur wenige hundert Meter, sagt Google Maps, und was die Umgebung angeht, erwarte ich keine große Veränderung. Am vermeintlichen Ziel angekommen stehen wir vor absolutem Nichts. Die Nachfrage bei Einheimischen ergibt, dass das Hotel ganz woanders ist als eingezeichnet. Eine Frau sagt, sie fährt uns hin. Sie sitzt auf dem Roller und wartet mit uns auf das „Taxi“, mit dem sie uns und unser Gepäck mitnehmen wird. Als nach ein paar Minuten ein Bekannter der Frau offensichtlich zufällig mit einem Gefährt, das von weitem noch wie ein gewöhnliches Tuk-Tuk aussieht, vorbeifährt, ruft sie ihn zu sich. Bis er realisiert, dass das Rufen ihm galt, ist er bereits an uns vorbeigerauscht. Er kehrt um, sie wechseln ein paar kurze Sätze, tauschen daraufhin ihre Fahrzeuge. So läuft das hier.

Das Benzin sei leer, sagt sie augenrollend und entschuldigt sich für die Verzögerung. Dabei haben wir es sowieso nicht eilig. Kurz fahren wir in die falsche Richtung – die, aus der wir eben noch kamen. Dann schnappt sie sich eine ehemalige Schnapsflasche aus einem der typischerweise am Straßenrand stehenden Gestelle und kippt die Flüssigkeit in den Tank.

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Bevor wir weiterfahren ruft sie einem Mädchen, das gerade aus der Tür des scheinbar dazugehörigen Gebäudes tritt, etwas zu. Wahrscheinlich wird sie die für die Tankfüllung fällig gewordenen 20 Baht später irgendwann bezahlen. Ein paar Kilometer fahren wir Richtung Norden, dann sind wir da.

ANKOMMEN | Kaum angekommen in unserer zweiten Unterkunft, bin ich plötzlich wahnsinnig entspannt. Schlagartig macht sich eine Art Urlaubsstimmung in mir breit.

Unser Hotel liegt direkt am Klong Khong Beach. Ein weißer Sandstrand an welchem sich eine hölzerne Bar an die nächste reiht. Die Dächer oft mit Schilf bedeckt, die Palmen und Pfosten mit bunten Lampions geschmückt, versprühen sie eine ganz besondere Atmosphäre. Sie fügen sich gut ein in die Natur, verschmelzen fast mit den Bäumen, die sie umgeben. Beinahe könnte man dem Strand die Unberührtheit, die er scheint vermitteln zu wollen, abnehmen. Oft haben wir den Strand, den wir mit etwas Halsverrenkerei von der Terrasse unseres privaten Bungalows aus erblicken können, fast für uns alleine. Manchmal ist die sonst wohl so touristische Gegend fast unheimlich ruhig. Dann scheint alles wie ausgestorben.

Sowieso ist entgegen meiner Erwartung nicht viel los auf der Insel. Wir sind in der Nebensaison da. Zur Regenzeit hierherzukommen, war offensichtlich eine gute Entscheidung. Die Tage sind heiß, sonnig und der fast tägliche kurze Regenschauer fast sowas wie ein Segen. Es fühlt sich gut an, wenn die Tropfen die brennende Haut kühlen und die vom Regen gereinigte Luft tief in die Lunge strömt.

Schnell beginnen wir uns auf die meist nur sehr kurzen heftigen Regenfälle zu freuen. Dann springen wir in den Pool, der direkt vor unserer Hütte liegt und zu dieser Zeit immer komplett leer ist.

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ABSCHALTEN | Schnell schaffe ich es, mich darauf einzulassen. Auf das Touristsein. Faul liegen wir am Strand und holen uns die Bräune unseres Lebens. Wir lernen schnell, dass sich  die besten Restaurants auf der Straße befinden und meiden hingegen die direkt am Strand. Es dauert nicht lange bis wir mit den „Three Sisters“ sowas wie ein Stammlokal gefunden haben.

Die nach gleichem Schema ablaufenden elf Tage gehen fast nahtlos ineinander über, wir können gestern nicht von vorgestern unterscheiden und „seit wann sind wir denn jetzt eigentlich schon hier?“. Am Ende sind wir überrascht, wie sie so schnell, fast unbemerkt, an uns vorbeiziehen konnten.

Wann wir zuletzt für so lange Zeit am gleichen Ort waren, wissen wir nicht. Aber: wir hätten länger bleiben können.

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