It’s all about the food – Thailands Garküchen und unsere Startschwierigkeiten // Thailand

Angekommen

Wenn Leute von Thailand erzählen, erzählen sie in aller Regel auch vom Essen. Davon, wie günstig es ist, wie wahnsinnig lecker und von seiner ständigen Verfügbarkeit. Begeistert scheinen sie alle davon. Und wir?


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// 08.04. – 04.05.2017 | Thailand

Zugang zu einer eigenen Küche zu haben, ist etwas, auf das wir bei der Wahl unserer Unterkünfte sonst sehr achten. Der Gedanke daran, dass das in Thailand nicht so sein würde, war deswegen in erster Linie ein sehr ungewohnter. Und nicht nur das. Er bereitete mir auch auf seltsame Art… Sorgen.

Die meiste Zeit unserer Reise versorgen wir uns komplett selbst. Ich koche gerne, probiere Neues aus und experimentiere viel. Mal sehr simple Gerichte, mal etwas aufwändigere. Ich liebe es, über Märkte zu schlendern, mich von den angebotenen Lebensmitteln inspirieren zu lassen und mir dann oft erst nach dem Einkauf zu überlegen,  was sich wohl alles damit anstellen ließe. Sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt und wir einen Backofen zur Verfügung haben, backe ich Brot, seltener auch Kuchen, und ab und zu, wenn sich unsere Campingplatznachbarn schnell eine Dose Ravioli warmmachen, sitze ich vor unserer kleinen Gaskochplatte und warte darauf, das leise Zischen zu hören, das mir ankündigt, dass die Dampfnudeln fast fertig sind, während ich auf das perfekte Gelingen deren Krusten hoffen. Einfach weil wir spontan Lust auf ein Gericht hatten, das in unserem Kopf so fest mit Heimat verknüpft ist. Ein Gericht, dass uns gerade gut tut – uns bei 30 Grad auf einem staubigen Rastplatz in Australien auch innerlich mit Wärme erfüllt.

Essen kann eben auch sehr emotional sein

Manchmal, da ist die Nahrungsaufnahme mehr als Bedürfnisbefriedigung auf nur einer  Ebene. Dann geht es nicht mehr nur um das Stillen des Hungergefühls, sondern viel mehr darum, sich allgemein etwas Gutes zu tun. Essen macht nicht nur satt, sorgt auch für Geborgenheit. Dieses Gefühl der Geborgenheit ist wichtig – gerade dann, wenn man keine Wohnung hat, in der man sich an weniger guten Tagen verkriechen kann. Kein eigenes gemütliches Bett, frischbezogen mit der nach dem Lieblingswaschmittel duftenden Lieblingsbettwäsche. Dann, wenn alles gerade ein bisschen zu viel ist und man sich nach etwas Vertrautem sehnt. Solche Tage gibt es, natürlich. Und natürlich hilft dann eine Schüssel voll trostspendendem Kartoffelbrei, dampfend heiß, der schmeckt als hätte ihn die eigene Großmutter gemacht. Zum Beispiel.

Ich bevorzuge es einfach, selbst zu kochen. Nicht zuletzt auch, weil ich einfach wissen möchte, was in meinen Mahlzeiten drin ist. Die abendliche Essenszubereitung ist zu so etwas wie einem wichtigen Ritual für mich geworden, auf das ich nur ungern verzichten möchte. Zumal wir uns in vielen Ländern auch überhaupt nicht leisten wollten oder konnten, auswärts zu essen. In Australien beispielsweise, wo man für eine durchschnittlich große Pizza ohne besonderen Belag umgerechnet oft um die fünfzehn Euro zahlen darf.

Dass das Essen in Thailand hingegen unschlagbar günstig ist, ist kein Geheimnis

Sicher hat jeder schonmal irgendjemanden davon schwärmen hören: von den Preisen des Essens in Thailand. Ähnlich bekannt ist die Tatsache, dass die Zubereitung häufig draußen stattfindet, auf der Straße. Die kleinen Garküchen​ sprießen wie Pilze aus dem Boden. Mal in Form kleiner Wägelchen, mal als Beiwagen des Motorrollers, oft auch als feststehende kleinere Stände. Sie sind einfach da, überall.

Es wird gegrillt, gegart, gebraten und frittiert und in der Luft hängt neben dicker Rauchschwaden oft auch ein zugegeben ziemlich appetitanregender Duft. Gerüchte, die auch mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Und trotzdem: Ich bin und bleibe ich erst einmal skeptisch. Nicht zuletzt auch, weil es vorrangig Fleischspieße sind, die uns am Anfang begegnen. Fleisch esse ich nicht und wahrscheinlich ist das auch der Hauptgrund dieses beklemmenden Gefühls, dass sich in mir breit macht, als wir nach unserer Ankunft in Thailand erstmals durch die Straßen stolpern.

Unsere Zeit in Peru, Bolivien und Buenos Aires war die bisher einzige, in der wir auf das Essengehen angewiesen war. Unterkünfte mit eigener Küche sind dort einfach nicht üblich. Fleischlose Küche ebenfalls nicht, was darin endete, dass ich mich wochenlang hauptsächlich von – leider meist überreifen – Bananen ernährte. Und mich beim vorletzten Bissen eines eigentlich vegetarischen Gemüseburger beinahe an einem bei der Zubereitung versehentlich hineingeraten Hühnerknochen verschluckte. Das Bananentrauma scheint überwunden, zumindest weniger reife Früchte kann ich mittlerweile wieder gut essen, ganz losgelassen hat mich das Ganze offensichtlich nicht.

Die ersten Tage vermeide ich das landestypische Essen, von dem ich bisher annahm, es sowieso nicht besonders zu mögen. Und wenn ich dann doch mal einen weniger großen Bogen um die Garküchen mache, sehe ich wie erwartet meistens nur: Fleisch. Aber auch das wird besser. Spätestens auf Koh Chang ist die Sache mit der Fleischlosigkeit überhaupt kein Thema mehr.

Während es bei mir die Auswahl ist, die mich zunächst noch einschränkt, ist es bei Stefan die Verdauung. Obwohl ich mir um die Hygienestandards selten größere Sorgen mache: anders als die europäischen sind sie allemal. Daran muss sich vor allem Stefans Körper erst einmal gewöhnen. Wir schauen uns nicht nur die Speisekarten, sondern auch die jeweiligen Stände und Karren und Köche an, am Anfang noch sehr genau, nach und nach werden wir etwas entspannter. Ein paar Tage brauche ich, dann bin ich endgültig überzeugt. Ich stelle nicht nur fest, dass es stimmt, was die Leute sagen, sondern auch, dass ich bisher wohl nie auch nur annähernd authentische thailändische Küche gegessen hatte.

Schnell sehe ich ein:

Thailändisches Essen ist super. Was auch immer ich  bestelle, es schmeckt immer frisch, wahnsinnig lecker und ist tatsächlich so unfassbar günstig, dass sich das Selbstkochen nicht lohnt. Und im Gegensatz zu Peru, wo ich mir die milimetergroßen Schinkenstückchen aus dem Gemüsereis schon selbst hätte herausfischen müssen, ist es hier niemals ein Problem, eine vegetarische Alternative zu bekommen. Selbst wenn diese überhaupt nicht auf der Speisekarte steht.

Die Vielfalt der Speisen überrascht mich. Anstatt wie erwartet nach wenigen Tagen genug zu haben von dem „immer gleichen Essen“, werde ich schnell Fan – von gebratenem Reis, den ich noch nie leiden konnte, Fruchtshakes, Papayasalat, Suppen und vielleicht sogar ein bisschen vom Auswärtsessen im Allgemeinen. Und das beste Pad Thai: esse ich für umgerechnet nicht mal einen Euro zwischen drängenden Menschenmassen auf Bangkoks belebter Koh San Road.

Dass ausgerechnet in Bangkok bald schon Schluss sein könnte mit den berühmten Garküchen, lese ich erst später. Und es stimmt mich plötzlich überraschend traurig.

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Sophie

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