Songkran – Wasserschlacht zum Neujahrsfest // Koh Chang, Thailand

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Kann man das Jahr besser beginnen als mit einer Wasserschlacht? Beim thailändischen Neujahrsfest Songkran jedenfalls sind die wichtiger Bestandteil – wir landen mittendrin. Von einem unerwarteten Tageshighlight.


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// 12. 04. 2017 | Koh Chang, Thailand 

Das thailändische Neujahrsfest „Songkran“ dauert ganze drei Tage. Der Jahreswechsel gilt als Zeit der Säuberung und Erneuerung, in deren Mittelpunkt das Element Wasser steht. Traditionell wird zu diesem besonderen Anlass einen Tag im Voraus das Haus geputzt, und zwar so richtig. Gründlicher als sonst. In den Tempeln (Wats) des Landes werden Lebensmittel geopfert, die Buddhafiguren und der Vorsteher werden mit Wasser begossen. Familienbesuche stehen an. Vor allem die Jüngeren besuchen ihre ältere Familienmitglieder und übergießen deren Hände mit Wasser – das gilt als Zeichen des Respekts. Während der Jahreswechsel sich früher an der Frühling​s-„Tagundnachtgleiche“* orientierte, ist er heute fest auf den 13. bis 15. April datiert.

Wir haben bereits von alledem gelesen, von dem Fest und seinen Traditionen. Dieses „Wir“, das ist ein anderes als sonst: Stefans Bruder Michi, seine Mutter Petra und unsere Freundin Julia – irgendwie auch sowas wie ein Familienmitglied – begleiten uns für zehn Tage. Eine Woche davon machen wir Strandurlaub auf der thailändischen Insel Koh Chang.

Dass die Wasserschlachten, ein Brauch, der sich nach und nach aus den rituellen Waschungen entwickelte, bereits vor dem besagtem Datum beginnen, wissen wir allerdings noch nicht, als wir an diesem Tag das Hotel verlassen und ein Stück rausfahren um die Insel zu erkunden.

Tagelang ziehen Festumzüge durch die Straßen, es wird gefeiert, getanzt, gesungen und gelacht. Parallelen zu deutschen Faschingsumzügen lassen sich nicht leugnen. Und trotzdem: das hier ist irgendwie sehr anders. Obwohl seit Jahren immer wieder über ein eventuelles Verbot von Alkohol diskutiert wird, scheint dieser zumindest für die Leute hier auf der Insel keine große Rolle zu spielen. Die Stimmung ist unglaublich gut, sie kippt nicht; die Leute strahlen und wirken aufrichtig glücklich. Ihre gute Laune steckt an. Mit Eimern, Schüsseln, Bechern und Spritzpistolen bewaffnete Kinder und Erwachsene sammeln sich in Grüppchen am Straßenrand, vor allem auf Rollerfahrer haben sie es abgesehen. Neben ihnen steht meist eine Regentonne oder ein anderer viele Liter umfassender Behälter, immer prall gefüllt. Nicht selten hängt sogar ein Schlauch darin. Traditionell wird das Wasser mit Jasminblüten versetzt, oft kann man diese noch auf der Oberfläche schwimmen sehen. Verschiedene Generationen feiern gemeinsam, spritzen ausgelassen mit Wasser und sind dabei trotzdem niemals rücksichtslos. Ob ich noch etwas Wichtiges in meinen Taschen habe, möchte eine der Frauen von mir wissen – der zu diesem Zeitpunkt noch randvolle Eimer, schwebt bereits über mir. Unsere Kommunikation besteht lediglich aus ein paar zackigen Gesten, wir wechseln kein einziges Wort und ich schüttel den Kopf, den ich ihr grinsend ein Stück weiter entgegenstrecke. Der Eimer kippt, wir lachen. Beide. Ein Mann von der anderen Straßenseite stürmt lachend zu uns herüber. Zaghaft streicht er uns mit seinen staubig-weißen Händen über die Wangen und färbt sie somit ein, dann umarmt er uns. Erst Stefan, dann mich, dann Petra. Dabei klopft er freundschaftlich unsere Rücken. Auch das ist eine der vielen Tradition: meistens nutzen die Menschen Babypuder oder Talkum um die Gesichter zu bemalen.

Klatschnass und glücklich sitzen wir später zu fünft im Mietwagen, unsere Kleidung klebt an unseren Körpern und an denen des Sitznachbarn. Mein Gesicht spannt. Schuld daran ist das trockene Puder, das noch immer mein Gesicht ziert. Noch einmal fahren wir durch die feiernde Menge. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

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Sophie


*) Die „Tagundnachtgleiche“ sind die beiden Tage des Jahres, an denen – Überraschung – Tag und Nacht gleich lange dauern, die Anzahl der Stunden zwischen Sonnenauf- und -untergang also die gleiche ist wie umgekehrt. Sie markieren den Beginn der astronomisch definierten Jahreszeiten Frühling und Herbst. Sie fallen auf den 19., 20. oder 21. März, sowie den 22., 23. oder 24. September.

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