Graue Wolken über Cockatoo Island – Ein Tagesausflug // Sydney, Australien

Aufgesucht & angesehen

Zwischendurch regnet es. Ich finde das ganz gut so. Das trübe, graue Wetter, die dicken Wolken, die den Himmel zieren, der aggressive Wind, der mir immer wieder dicke Haarsträhnen vor und in meine Augen knallt. Diese Trostlosigkeit: Sie ist es, die diesen Ort wahrscheinlich überhaupt erst so faszinierend macht.

.

// 15.03.2017 | Cockatoo Island, Sydney, Australien (New South Wales)

Alleine erforsche ich die Insel, die wir nach gut zwanzigminütiger Schifffahrt erreichten. Hierher zu kommen war eine gute Entscheidung. Sowieso sind wir nicht gerade in Großstadtstimmung. Wir wollen es langsam angehen lassen. Uns nach mehreren einsamen Tagen zwischen Viehweiden, Wäldern, und Dörfchen, die aus nicht viel mehr als einem kleinen Generalstore und einer Kirche bestehen, mitten reinzustürzen, in den Großstadtdschungel, bekommt uns nicht besonders gut. Das wissen wir mittlerweile.

Deswegen und weil Schifffahren sowieso immer eine gute Idee ist, schippern wir erst einmal raus. Am Circular Quay legt unsere Fähre ab, im Halbstundentakt fährt die Route F3 Cockatoo Island an. Vorbei an Sydneys zugegebenermaßen ziemlich fotogenem Opernhaus, dann unter der berühmten Harbour Bridge hindurch. Dicht hintereinander wandern Menschen angeseilt für viel Geld über ihren mächtigen stählernen Brückenbogen. Von unten wirken sie nicht viel größer als Ameisen.

DSC00005-picsay

DSC00022-picsay

Stefan möchte gerne mehr erfahren über die Insel, die größte übrigens im Hafen Sydneys. Im kleinen Infozentrum – bestehend nur aus einem einzigen Raum – wird für ein paar wenige Dollar eine Tour angeboten, die ihn interessiert.
Mit Audioguide, auf eigene Faust.
Mehrfach fragt er nach, ob ich mir wirklich sicher sei, dass ich nicht mitmachen will. „Nein, nein, nein“, wiederhole ich immer wieder. Währenddessen lasse ich meinen Blick schweifen. Ich bin nicht richtig bei der Sache, bereits jetzt haben die alten Lagerhallen hinter uns den Großteil meiner Aufmerksamkeit für sich beansprucht. Dass dort Teile  von  Angelina Jolies „Unbroken“ gedreht wurden, erfahre ich erst später. „Ich will einfach nur Fotos machen“.

Wir vereinbaren einen Treffpunkt, gut zweieinhalb Stunden in der Zukunft liegend, und während Stefan sich von der Stimme in seinen Ohren leiten lässt, leitet mich die Insel selbst. Immer wieder fühle ich mich wie magnetisch angezogen. Von den Überresten alter Mauern, leerstehenden Gebäuden oder dunklen Gängen. Die fast gruselige Atmosphäre der Insel, die ehemals eine Sträflingskolonie, ein Gefängnis, eine Besserungsanstalt, eine Mädchenschule und die zwei größten Schiffswerften Australiens beherbergte, schafft es, mich vollkommen einzulullen.

Die Kapuze meiner Regenjacke tief ins Gesicht gezogen, lasse ich mich treiben und genieße die Stille. Manchmal bin ich so konzentriert, so weit weg von der Realität, dass ich unweigerlich zusammenzucke, sobald sich irgendwer nähert. Oft passiert das nicht. Es ist nicht viel los auf Cockatoo Island.
Außer uns waren es nur zwei weitere Menschen, die die Fähre an dieser Station verließen.
Manche wenige Ecken, die ich erforsche, sind nicht Teil des Audioguides. Diese Ecken sind besonders einsam, besonders gespenstisch. Es sind aber auch genau diese Ecken, die mich am festesten fesseln.

Zufrieden und beeindruckt treffen wir uns zu einer bestimmten Uhrzeit, gut zweieinhalb Stunden später, wieder. Viel weniger Zeit sollte man für diesen Ort nicht einplanen. Ich hätte auch drei hier verbringen können. Oder mehr.

Wer gar nicht genug kriegen kann, der kann hier übrigens sogar übernachten. Ab knapp neunzig AUD bekommt man unter der Woche eine Nacht im Zweipersonenzelt (in das – Preisaufschlag – auch drei  Personen passen) direkt am Wasser, am Wochenende zahlt man noch einmal zehn Dollar drauf. Das ist für Sydney gar nicht mal so schlecht. Und wer noch mehr Kleingeld übrig hat, der kann sich außerdem in eines der kleinen Appartements einnisten. Wir hingegen treten den Rückweg an und schlafen wie gewohnt in unserem Auto, in einer Seitenstraße irgendwo außerhalb des Stadtzentrums.

DSC00388-picsay.JPG

DSC00368-picsay.JPG

1490062959-picsay.jpg

DSC00245-picsay.JPG

DSC00088-picsay

1490058333-picsay

DSC00118-picsay

DSC00104-picsay.JPG

DSC00119-picsay.JPG

DSC00124-picsay.JPG

DSC00141-picsay

1490059573-picsay.jpg

DSC00150-picsay.JPG

1490059363-picsay

1490060012-picsay.jpg

DSC00389-picsay.JPG

DSC00243-picsay.JPG

DSC00266-picsay.JPG

DSC00207-picsay.JPG

DSC00211-picsay.JPG

1490062767-picsay.jpg

DSC00456-picsay.JPG

DSC00433-picsay.JPG