Wandertag: Blue Mountains Nationalpark // Australien

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Gebirge, die die Farbe Blau im Namen tragen, gibt es viele. Da wären zum Beispiel die Blauberge in Bayern und Tirol oder der Blaue Berg in Niederösterreich. Der Blauenberg in Frankreich, die Blauen Berge im Niger. Es gibt die Blue Mountains auf Jamaica, die in Neuseeland und die in den USA. Und dann gibt es da eben noch die in Australien.


// 13.03.2017 | Blue Mountains Nationalpark, Blackheath, Australien (North South Wales)

Warum genau ausgerechnet diese Farbe, die in der Literatur für Ferne, Sehnsucht oder auch Klarheit steht, ein so gerne gewähltes Attribut für Berge ist, mag unterschiedliche Gründe haben (und vielleicht sind diese Assoziationen ja schon Erklärung genug). Die australischen Blue Mountains jedenfalls, die sich im Bundesstaat New South Wales und nicht allzu weit von Sydney entfernt befinden, verdanken ihren Namen der großen Anzahl an Eukalyptusbäumen (die man übrigens auch Blaugummibäume nennt). Das ätherische Öl der Blätter verdunstet, tagsüber liegt der bläulich-schimmernde Nebel deutlich sichtbar über dem Gebirge.

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Die enorme Vielfalt an Eukalypten war im Übrigen auch primärer Grund  für die Ernennung des Gebietes zum UNESCO-Weltnaturerbe im Jahr 2000. Und das, obwohl der Baumbestand Australiens sowieso zu 70% aus Eukalyptusbäumen besteht – Kein anderer Kontinent wird so sehr von einer einzelnen Baumgattung dominiert. Insgesamt gibt es weltweit um die sechshundert Arten, neunzig von ihnen wachsen hier im Blue Mountains Nationalpark. Hier, in dem Park, in dem auch die „Three Sisters“ ⬇ beheimatet sind; die Felsformation, die als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Gegend gilt. Der Park, der uns so Lust auf einen Wandertag macht.

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Viele behaupten, der Grand Canyon Walking Track sei die schönste Strecke, die der Nationalpark zu bieten hat. Irgendwann stoße ich bei meiner Recherche auf irgendeine Internetseite, wo sie von irgendwem als „Schokoladen-Strecke“ beschrieben wird. Ich bleibe an dem Wort hängen. Irittiert wandern meine Augenbrauen ein Stückchen höher. Vielleicht ist meine Liebe zu Schokolade einfach nicht groß genug. Ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Schließlich spielen bei der Suche nach einer für uns geeigneten Wanderroute weder meine kulinarischen Präferenzen, noch die tiefe Abneigung gegenüber überflüssiger Bindestriche eine Rolle. Also so gar nicht.

Und weil mir natürlich klar ist, was eben diese Wortwahl, die ich so wohl nicht getroffen hätte, beschreiben will und auch sonst alles, was wir noch so über die Strecke herausfinden, ziemlich gut klingt, fällt uns die Wanderwegwahl nicht besonders schwer.

Eine gute Wahl, werden wir später voller Zufriedenheit resümieren.

Der Grand Canyon Walking Track ist nur eine von vielen Wanderungen im Blue Mountains Nationalpark.  Offiziell dauert der Rundweg, der uns ständig auf und ab führt, fünf Stunden. In Wahrheit sind es eher zweieinhalb. Damit haben wir gerechnet: Schon bei der Recherche vorab erfuhren wir, dass die sowieso meist sehr großzügigen Zeitangaben hier ganz besonders von der Realität abweichen. In den meisten Erfahrungsberichten wird dazu geraten, zwei bis drei Stunden einzuplanen.

Der  mal gepflasterte, mal gänzlich unberührt wirkende Weg führt uns über Treppen und Geröll, vorbei an keinen Wasserfällen, über Brücken und durch Höhlen. An vielen Stellen tropft es von den steilen Felswänden gleichmäßig auf die Erde. Plopp. Plopp. Plopp. Hier haben sich teilweise kleine, teilweise bereits größere Pfützen gebildet. Manchmal braucht es große Schritte, um darüber hinweg zu steigen, manchmal etwas Schwung. Dann springen wir. Stets darauf bedacht, nicht auszurutschen. Hin und wieder müssen wir auch breitere Gewässer überqueren, von Stein zu Stein balancieren wir auf die andere Seite des kleinen Flusses. Ein Überbleibsel des Flusses, der die Verantwortung für die faszinierenden Felsgebilde, die uns umgeben, trägt. Der Fluss, der so Wunderbares geschaffen hat und nicht mal einen Namen zu haben scheint.

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Es fühlt sich lange an, als wären wir alleine. Die Stille wird meist nur durch Vogelgezwitscher und Wasserrauschen unterbrochen oder durch das monotone Ploppen der Tropfen, wenn sie auf dem Boden ankommen. Manchmal auch durch den Wind, der die Äste knacken und die Blätter rascheln lässt, und selten durch unser Klatschen, mit dem wir die Schlangen, die wir nicht sehen (werden), aber die es hier ganz sicher gibt, verjagen wollen. Dann, wenn der Weg gerade besonders schmal und die Büsche besonders dicht sind oder wir eine finstere Höhle passieren müssen.

Als uns nach einer Weile die ersten Menschen entgegen kommen, erschrecken wir fast. Wir haben einfach nicht mit ihnen gerechnet.

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