Kennenlernen? Keine Zeit! – Autokauf II // Melbourne, Australien

Angekommen

Spätabends landen wir in Australien, dem achten Land unserer großen Reise. Bereits als ich die ersten Lichter inmitten der stockdunklen Nacht ausmachen kann, überkommt mich diese Zappeligkeit, die mich immer überkommt, wenn ein Kennenlernen bevorsteht. Doch das Kennenlernen muss noch warten, unser Terminkalender ist voll: Ein weiterer Autokauf steht an.


// 13. – 18.01.2017 | Melbourne, Australien (Victoria)

Alleine die Ankunft in einem bisher unbekannten Land ist wahnsinnig aufregend. Jedes Mal aufs Neue bin ich plötzlich hellwach, wenn das Flugzeug langsam auf der Landebahn zum Stehen kommt. Ganz egal wie lange wir zu dem Zeitpunkt bereits unterwegs sind. Egal wie spät oder früh es ist oder wie groß der Abschiedsschmerz einige Stunden zuvor noch war. Meine Augen rasen dann unruhig bin und her und ich werde zappelig. Wenn es nur langsam vorangeht, wenn die Zeit stillzustehen scheint und wir es dann doch irgendwann schaffen, uns in Zeitlupe einen Weg nach draußen zu bahnen, erreicht diese Zappeligkeit, die ich selbst nur schwer aushalte, ihren Höhepunkt. Ich versuche alles um mich herum aufzusaugen wie ein Schwamm, achte auf die allerkleinsten Kleinigkeiten – und vergleiche. Noch im Flughafengebäude suche ich nach Unterschieden zu dem Land davor, selbst wenn es nur die Kaffeepreise sind.

Ich mag es, ein neues Land kennenzulernen. Sich vorzutasten. Langsam und dennoch voller Entdeckungsfreude und Tatendrang. Dann rückt auch meist der Abschiedsschmerz schnell in den Hintergrund. Anfangs denke ich noch oft an das vorherige Land, bei manchen fällt es mir schwerer loszulassen als bei anderen. Doch bald sind diese Gedanken weniger emotional aufgeladen, schnell denke ich an den Vorgänger vorrangig aus Vergleichszwecken, dann nur noch selten. Wenn ich in meinem Datenchaos zufällig an einem bestimmten Foto hängenbleibe zum Beispiel oder wenn einfach gerade zu viel Raum für Nostalgie da ist, zu viel Zeit um seinen Erinnerungen nachzuhängen.

Ich sauge meine Umgebung auf wie ein Schwamm und freue mich insgeheim über all die Kleinigkeiten, die mir so auffallen. Den Baum, den ich schon aus Neuseeland kenne oder der besondere Baustil der kleinen Reihenhäuser in unserem Viertel. Es ist wie ein Spiel, das ich mit mir selbst spiele und das mir vielleicht hilft anzukommen. Nicht nur physisch, sondern so richtig.

Wir lassen uns gerne treiben, wenn wir in einem neuen Land ankommen. Einfach schauen, was passiert und alles erst einmal auf uns wirken lassen. Dieses Mal ist das anders. Unsere Entdeckungsreise kann erst dann richtig beginnen, wenn wir diesen einen Punkt von unserer Agenda streichen können: Wir brauchen ein Auto. Und das wollen wir uns kaufen. Wir sind schließlich drei Monate hier, ein Mietwagen ist demnach keine Option.

Wir klappern verschiedene Verkaufsseiten ab, scrollen uns durch diverse Facebook Gruppen, telefonieren und pilgern von Hostel zu Hostel. Die Suche ist anstrengend, die Hin- und Herfahrerei stresst uns und die seltsamen Gestalten, die uns währenddessen über den Weg laufen, machen das Ganze nicht gerade besser. Einmal fährt ein Verkäufer seinen eigenen Van im Innenhof des Hostels, in dem er haust, gegen den Zaun. Gekauft hätten wir seine fahrbare Müllhalde sowieso nicht.

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Unser Terminkalender ist voll und wir bereits in den ersten Tagen in Australien sehr beschäftigt. Das Kennenlernen Melbournes geschieht eher so nebenbei. Footscray, der Stadtteil, in dem sich unsere AirBnB-Unterkunft befindet, gefällt uns auf Anhieb. Aus Versehen landen wir zuerst auf einem kostenlosen Kunst- und Musikfestival in unserer direkten Nachbarschaft, am nächsten Tag stolpern wir mitten in ein asiatisches Neujahrsfest. Ohne unser Zutun gleicht sich so der Autokaufstress aus. Die Stadt macht es uns leicht, sie zu mögen.

Und tatsächlich gelingt es uns, sie nach fünf Tagen mit eigenem Auto zu verlassen. Ein letzter Behördengang, dann gehört der dunkelblaue Holden Commodore, den wir einem dänischen Backpacker abkauften, samt Inhalt uns. Ganz offiziell.

Neunundneunzig Instantsuppen inklusive.

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Sophie

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