Von einsamen Wäldern und leuchtenden Larven // Waitomo, Neuseeland

Auf Achse, Aufgesucht & angesehen

Es ist unglaublich still, der Wald dank Abgelegenheit, dichter Bäume und hoher Felsen stockdunkel. Was am Anfang noch gruselig war, wirkt seit Erblicken der ersten Larven-Kolonie fast wie Magie. Wir sind wie in Trance, von der Faszination nahezu berauscht…

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Endlich unterwegs! Knapp fünf Wochen lang machen wir zu viert – Marie, Stefan, Henni und ich – die Straßen Neuseelands unsicher (- die genaue Route findet ihr hier).

 – TEIL 2 –

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// 08. – 09. 12.2016 | Kāwhia – Te Anga – Waitomo, Neuseeland (Nordinsel)

Pünktlich zur Weiterfahrt beginnt es wieder zu regnen. Immerhin unser Frühstück konnten wir in die kleine Regenpause quetschen; knappes Zeitfenster, perfektes Timing.

Wir entscheiden uns gegen einen (weiteren) Hot Water Beach in der Nähe, wollen zuerst ein bisschen Strecke zurück legen. Besonders motiviert sind wir nicht, das Wetter schlägt uns mehr aufs Gemüt als wir zugeben wollen. Unterwegs machen wir in alter Turbotourismusmanier zwei kurze Stops: Zuerst bei den Marokopa Falls, dann bei der Mangapohue Natural Bridge. Wir gehen durch den Wald, die Stille lässt alles ungeheuer friedlich wirken.  Andere Menschen begegnen uns fast keine, ich mache das Wetter dafür (mit)verantwortlich. Die Luft ist angenehm kühl und klar, gereinigt vom Regen. Meine Stimmung hellt auf, das Wetter zieht nach. Vielleicht sollten wir uns doch dankbarer gegenüber Petrus‘ Launen zeigen.

Etwas später dann, als wir die weitere Route besprechen und den Tag strukturieren wollen, wieder: Regen. Wir sitzen in einem kleinen Café mitten im nirgendwo, wärmen unsere Hände an den heißen Tassen; blicken nach draußen und schlagen – zumindest ich nur so semimotiviert – ab und zu ein paar Seiten in Maries Reiseführer um. Wieder fällt uns der Flyer ein, den Marie und ich unabhängig voneinander anschleppten. Ein Werbeflyer der Waitomo Glowworm CavesMein Gesicht muss bei dessen Anblick ähnlich ausgesehen haben wie ihres. Fasziniert und hocheuphorisch, irgendwie ungläubig. Von dem bunten Flyer blicken uns fremde Gesichter mit Mimiken der gleichen Kategorie an; Augen und Münder vor Begeisterung weit aufgerissen. Sie sitzen in einem Boot. Die Höhle, durch die sie fahren ist dunkel, um sie herum leuchten unendlich viele Glühwürmchen wie keine blaue LEDs. Der Preis ist es schließlich, der das Funkeln in unseren Augen schlagartig erlöschen lässt, die Mundwinkel nach unten reißt. Fest steht trotzdem: Wir wollen Glühwürmchen sehen.

Schnell finden wir eine kostenlose Alternative ganz in der Nähe der kommerziellen Glühwürmchenhöhlen. Ein paar Stunden später, es ist endlich dunkel, stehen wir mitten im Wald. Augen und Münder vor Begeisterung weit aufgerissen. Um uns herum hängen die kleinen Tierchen bläulich leuchtend von Bäumen und Felsen. Sie hängen da und leuchten, weil sie hungrig sind. Je größer der Hunger, desto stärker die Leuchtkraft. Insekten werden angelockt und verfangen sich in den klebrigen ebenfalls leuchtenden Fäden. Es sind kleine Langhornmückenlarven (Arachnocampa Luminosa), die hier so hängen und stellenweise kaum klar vom nächtlichen Himmel abzugrenzen sind. Auch das  ist Strategie, der vorgetäuschte Sternenhimmel soll die Beute anlocken. Mit den uns aus Deutschland bekannten Glühwürmchen haben sie nicht viel gemeinsam. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie in diesem Larvenstadium, sie sterben bereits kurze Zeit nach dem Schlüpfen. Dann sind sie nämlich nicht mehr in der Lage Nahrung aufzunehmen.

Von dem hellen Schein des fast perfekt runden Mondes ist urplötzlich nichts mehr zu sehen. Es ist unglaublich still, der abgelegene Wald ist dank dichter Bäume und hoher Felsen stockdunkel. Was am Anfang noch gruselig war, wirkt seit Erblicken der ersten Larven-Kolonie fast wie Magie. Wir sind wie in Trance, von der Faszination nahezu berauscht. Erst gegen Ende des fünfundvierzigminütigen Rundweges begegnen wir anderen Menschen. Dass wir uns gegen die als „Must-See!“ angepriesenen Glowworm Caves entschieden haben, bereuen wir nicht eine Sekunde. Wir versuchen das Spektakel zu fotografieren. Wohl wissend, dass das kaum hinzukriegen ist, versuchen wir, das Leuchten digital festzuhalten, die Atmosphäre zu konservieren. Ein wenig auch aus Sorge, den Anblick irgendwann zu vergessen.

Bald gebe ich auf. Schwachsinn. Der nächtliche Ausflug bleibt mir ganz bestimmt im Gedächtnis.

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Sophie


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