Go, Henni: Vom ersten Tag unseres Roadtrips // Neuseeland

Auf Achse

Es ist bereits dunkel als wir den Schlüssel aus dem Zündschloss ziehen; ungemütlich und kalt. So richtig realisiert habe noch nicht, dass wir jetzt tatsächlich unterwegs sind. Ich strecke mich.

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Endlich unterwegs! Knapp fünf Wochen lang machen wir zu viert – Marie, Stefan, Henni und ich – die Straßen Neuseelands unsicher (- die genaue Route findet ihr hier).

 – TEIL 1 –

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// 07.12.2016 | Auckland – Kāwhia, Neuseeland(Nordinsel)

Zwischen ein paar wenigen anderen Autos und Campervans halten wir an. Ganz offensichtlich ist das die Wiese, auf der geparkt werden soll. Zumindest machen das alle so, hier auf dem kostenlosen Stellplatz in Kāwhia.

Es ist bereits dunkel als wir den Schlüssel aus dem Zündschloss ziehen; ungemütlich und kalt. 250 km haben wir an unserem ersten Tag mit Henni zurückgelegt, ich staune. Hätte man mich nach meiner Einschätzung gefragt, ich hätte wahrscheinlich auf weit weniger als die Hälfte getippt.

Wir klettern in Kleidchen, Shorts und dünnen T-Shirts aus dem Bus und bibbern. Vor ein paar Stunden strahlender Sonnenschein, jetzt nasskalter Bilderbuchherbst. Sofort muss ich an Rolf Zuckowski und seine Jahresuhr denken. Ständig kommt es mir vor, als würde ich von einer Jahreszeit übergangslos in die nächste katapultiert; Frühling, Sommer, Herbst und Winter komprimiert auf vierundzwanzig Stunden.

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Ich strecke mich. Meine Arschknochen, so scheint mir, bohren sich durch meinen gesamten eigenen Körper. Um den Platz in der Mitte reißt sich niemand. Zum Glück schleppt Henni dieses alte kitschige Bärchenkissen mit sich herum. Eine grässliche Geschmacksverirrung, die das Sitzen an dieser Stelle wahrscheinlich überhaupt erst möglich macht. Die Bank ist hart wie Stein, aufgeheizt vom direkt darunter liegenden Motor.

Bevor wir uns in dem kleinen Tankstellenshop mit angeschlossenem Bistro ankündigen, müssen wir zuerst mal klarkommen, so ganz allgemein, und vor allem: uns dicker einpacken. Unser unsortiertes Gepäck haben wir planlos in den Wagen geknallt. Dass wir jetzt müde, ausgehungert und frierend nach passenden Klamotten suchen, scheint die gerechte Strafe für unsere euphoriegeschwängerte Hektik am Nachmittag. Mit Schwung knallt die Kofferraumklappe zu; geschafft. Wir drehen uns um und setzen zum Gehen an, als ein älterer Mann mit schnellen, entschlossenen Schritten und ernstem Blick auf uns zustürmt. Ohne Umwege über irgendwelche Begrüßungsfloskeln kommt er gleich zum Punkt: Das gehe so nicht, wenigstens anmelden müsse man sich, wenn man hier schon kostenlos übernachten darf. Er hält uns für undankbar und dass wir gerade auf dem Weg zu dem nur wenige Meter entfernten Gebäude sind, hört er nicht oder will er nicht hören. Mitkommen, befiehlt er. Wie verunsicherte Kleinkinder watscheln wir hinter ihm her. Mein Blick verfängt sich an seinem unteren Rücken, durch einen langen Riss im Stoff seines ausgebleichten königsblauen Muskelshirts zwängt sich eine Handvoll Hüftspeck.

Nachdem wir uns ins Gästebuch eingetragen und einen weiteren grummeligen Monolog über uns haben ergehen lassen, dürfen wir wieder abziehen. Wir sind müde und geschafft und können irgendwie immer noch nicht so recht glauben, dass wir jetzt tatsächlich Besitzer eines Campers sind, es tatsächlich endlich aus Auckland rausgeschafft haben.

Es regnet ununterbrochen. Unsere erste Nacht mit (und in!) Henni überstehen wir trocken. Und ja – ein bisschen überrascht mich das. Guter Junge.

Als wir am nächsten Morgen weiterfahren wollen, fährt er. Guter Junge. Dass das nicht immer – zumindest nicht auf Anhieb – so sein wird, ist uns da noch nicht klar.

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 Sophie


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