Aus zwei wird drei wird vier – Abenteuer Autokauf // Auckland, Neuseeland

Allgemein, Auf Achse

Endlich! Ungläubig blicke ich auf den Kalender. Es ist soweit, bald schon landet Marie und ich bin ziemlich aufgeregt. Auf diesen Tag freue ich mich schon ewig. Unser Plan klingt simpel: Wir wollen ein Auto kaufen.

// 02. – 06.12.2016 | Auckland, Neuseeland (Nordinsel)

UND DANN SIND WIR PLÖTZLICH TATSÄCHLICH ZU DRITT

13:41 Uhr, ich stehe am Flughafen und warte. Genau eine Woche ist es her, dass wir selbst hier angekommen, selbst verschlafen und mit verspannten Nacken durch die Schiebetür geschlurft sind. Eben jene Tür, durch die sämtliche Passagiere aller internationalen Flüge müssen, wenn sie hier in Auckland landen. Die Tür, die von der finalen Gepäckkontrolle hinaus führt. In die Ankunftshalle, zu mir und unzähligen anderen Wartenden. Ich halte ein großes Pappschild in der Hand, drei bunte Luftballons. Vor ein paar Minuten waren es noch fünf. Marie wird das schon verstehen, die beiden kleinen Kinder rechts von mir wirken jetzt jedenfalls ziemlich glücklich. Es ist der zweite Dezember. Dezember – Das muss ich mir immer wieder bewusst machen. Bald schon ist Weihnachten, dann Silvester, Jahresende. Fühlt sich seltsam an, so eine Vorweihnachtszeit ohne Plätzchen backen, Arsch abfrieren und heißen Erkältungsbädern. Meine Gedanken schweifen ab während ich hier so warte. Eine ältere Frau mit kurzem silbergrauen Haar steht dicht neben mir und holt mich immer wieder in die Gegenwart zurück, die ganze Zeit schon will sie mit mir reden.

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Immer wenn sich die Doppeltür mit einem zischenden Laut öffnet, schrecke ich auf. Ich kann den Spürhund sehen, der an den Gepäckstücken schnuppern, Flughafenpersonal, viele Passagiere. Keine Marie. Die Angestellte am anderen Ende der Hundeleine ruft einen Reisenden von der Ankunftshalle zurück auf die andere Seite der Tür, die Frau neben mir lacht: „ich schätze, das ist kein gutes Zeichen“.

Mittlerweile ist es lange nach zwei und ich warte immer noch. Die Kinder mit den Ballons sind mittlerweile verschwunden und auch sonst wechseln die vielen Gesichter in meiner Umgebung ständig. Es gibt nur diese eine Tür, der Wartebereich ist überschaubar, trotzdem spüre ich da diese unterschwellige Angst, Marie einfach zu verpassen. Und dann steht sie plötzlich vor mir. Sie schlurft weniger schlurfend durch die Tür als wir es taten, und sieht dank sehr viel kürzerer Flugdauer und gratis Business-Class-Upgrade vermutlich um einiges besser aus als wir eine Woche zuvor.

„DID YOU BUY A CAMPERVAN?“ / HORRORTRIP AUTOSUCHE

Ein paar Umarmungen später sitzen wir fröhlich kichernd und aufgeregt durcheinanderbrabbelnd im Mietwagen. Ich freue mich, endlich wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen, mit jemandem zu reden, dem man sich nicht erst vorstellen muss; den Small-Talk-Teil einfach überspringen zu können. Wir steuern unsere Unterkunft für die nächsten drei Tage an. Wenn alles gut läuft, schlafen wir dort das letzte Mal für über einen Monat in einem richtigen Bett. Unser Plan klingt simpel: Wir kaufen ein Auto. Genauer: Einen Campervan. Marie ist noch für längere Zeit in Neuseeland und hatte eh vor, sich einen anzuschaffen. Ganz einfach und unkompliziert stellen wir uns das Ganze vor. Möglicherweise zu einfach.

Es ist Freitag. Samstags und sonntags finden mehrere car fairs in Auckland statt, dort ein passendes Fahrzeug zu finden sollte kein Problem sein. Wir verbringen trotz aller Zuversicht den restlichen Nachmittag mit der Suche nach weiteren Messen und Gebrauchtwagenhändlern, durchforsten Anzeigen in Foren, sozialen Netzwerken und Online-Verkaufsbörsen. Unsere Liste wächst, unsere Euphorie sowieso und kaum haben wir den ersten Markt am Folgetag betreten sitzen wir auch schon für eine Probefahrt in einem weißen Mitsubishi. Ein wenig Verknalltheit ist Marie schon jetzt anzusehen. Wir notieren die Telefonnummer der Verkäufer und setzen die Suche fort, klappern mehrere Gebrauchtwagenhändler ab. Siebenundsechzig Kilometer legen wir alleine an diesem ersten Tag für die Autosuche zurück. Am nächsten sind es hundertsechsundsechzig, an dem darauf achtundsechzig.

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Immer wenn wir unsere Airbnb-Unterkunft betreten, werden wir von den selben schrillen Worten der Gastgeberin empfangen: „Did you buy a campervan?“. Der Schlüssel steckt noch im Schloss, als wir sie vom oberen Treppenabsatz rufen hören. Keine zwei Sekunden später steht sie neben uns im Flur und will alles genau wissen. Jedes Detail, immer wieder. Je länger unsere Suche andauert, je öfter uns irgendjemand – nennen wir ihn „John“ – über den Tisch zu ziehen versucht, desto mehr nervt uns ihre ständige Nachfragerei. Wir wollen einfach nicht drüber reden.

Wir sind frustriert. Die meisten Vans scheitern schon an der zu geringen Anzahl an Sitzen und kommt ein Auto dann theoretisch doch in Frage, ist der Preis viel zu hoch oder der Sicherheitscheck offenbart zu viele Schwachstellen. Einmal lässt uns die sich immer breiter machende Verzweiflung fast in die Falle tappen: Erst auf dem gemeinsamen Weg mit dem Verkäufer zur Poststelle, wo der neue Fahrzeughalter eingetragen werden soll, bemerken wir den schwarzen Rauch, der hin und wieder in dicken Wolken aus dem Auspuff steigt. Wir beschließen: Kein Kauf ohne Expertencheck.

UND JETZT?

Der Mitsubishi vom ersten Tag ist mittlerweile weg, Messen und Händler haben wir durch, unsere letzte Hoffnung sind private Verkäufer. Ein weiteres Mal kämpfen wir uns durch die verschiedenen Verkaufsplattformen, fahren Hostels an, fotografieren die schwarzen Bretter ab.

Wir landen in der Cherry Road bei einem alten Ehepaar, das mindestens ebenso süß ist wie der Name der Straße, in der sie wohnen. Es ist nach der Probefahrt vom Vortag bereits unser zweiter Besuch. Dass wir die nächsten beiden Tage auch noch hier verbringen werden, ahnen wir noch nicht, als wir den Mazda für einen kostspieligen Sicherheitscheck in der Werkstatt abliefern. Die Liste, die der Mechaniker im Anschluss mit uns durchgeht ist lang. Wir schlucken und lassen uns den Gesamtpreis für die Reparaturkosten nennen. Wir fahren zurück; die vierstellige Zahl, die Basis für die folgende Verhandlung sein soll, im Hinterkopf. Eine Verhandlung, die im Grunde keine ist: Ohne zu zögern zieht Henni, der Besitzer, die Reparaturkosten vom Ursprungspreis ab, er will die Kiste loswerden, unbedingt, wollte sie nie in seinem Hof haben. Wir sind uns sofort einig.

Er bietet uns einen Kaffee an. Die Zeit, die das Wasser zum Kochen braucht, nutzt er, um seine Frau anzurufen und wir, um das Geschehene zu verarbeiten. Krass, wir haben also jetzt tatsächlich ein Auto. Als er den Hörer aufgelegt hat, lädt er uns ein, bei ihnen zu übernachten, seine Frau macht Abendessen. Wir sitzen noch eine Weile beisammen. Auf Hennis Tasse steht „Superdaddy“. Er hat viel zu erzählen, Geschichten von gemeinsamen Reisen mit seiner Frau, von seinen Kindern und Enkelkindern. Wir lachen viel und schreien genau genommen eher als dass wir reden – Der alte Mann hört nicht mehr besonders gut.

FINALLY!

Gleich am nächsten Morgen bringen wir unsere neue Errungenschaft zur Werkstatt. Und nach einer weiteren Nacht in der Cherry Road kann es dann tatsächlich endlich losgehen.

Die Wimpelkette hängt, der Weihnachtsbaum steht und unser neuer Begleiter hat – natürlich – einen Namen: Herzlich Willkommen, Henni! 

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Sophie


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