Same Same But Different // Buenos Aires, Argentinien

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Die argentinische Hauptstadt scheint nie zu schlafen. Und so stürzen wir von einer Veranstaltung in die nächste. Aus Versehen. Und ziemlich routiniert.

Buenos Aires – Eine Zusammenfassung.

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// 17. – 23.11.2016 | Buenos Aires, Argentinien

Es ist, als befänden wir uns in einer Zeitschleife. Jeder einzelne der fünf Tage, die wir in der argentinischen Hauptstadt verbringen, beginnt haargenau gleich. Nämlich mit einem ausgiebigen Frühstück nur wenige hundert Meter von unserem Hotel entfernt. Bei Burger King. Schnell wird der morgendliche Gang dorthin zur selbstverständlichen Routine. Dahinter steht kein Statement, kein Unter-Beweis-Stellen kulinarischer Entspanntheit (oder Anspruchslosigkeit), sondern nur ein Ziel: Nicht vollkommen aus dem Tagesbudgetrahmen zu fallen. Was sowieso nicht immer ganz einfach ist, wird hier zur besonderen Herausforderung. Normalerweise versuchen wir immer irgendwo unterzukommen, wo es eine Küche, mindestens aber eine Wasserkochmöglichkeit gibt. In Buenos Aires haben wir nichts davon. Wir müssen uns also so durchschlagen, was wir uns einfacher vorstellen als es letztendlich ist: Die Stadt ist teuer. Und wir nach Bolivien und Peru, wo es säckeweise frisches Gemüse für weniger als einen und mehrgängige Mittagsmenüs für drei Euro gibt, wahrscheinlich ziemlich verwöhnt. Die Stadt ist teuer, aber wir verzeihen ihr. Weil wir sie mögen. Und so sitzen wir dort, Morgen für Morgen für Morgen, und starten mit je zwei Minicroissants, einem großen Kaffee (oder zwei) und einem Superausblick auf die Jacarandá-umsäumte Avenida 9 de Julio in den Tag. Dass sie, wie vielen Quellen behauptet, die breiteste Straße der Welt ist, stimmt nicht. Sowieso handelt es sich in Wahrheit um mehrere Straßen. Zu den vierzehn Fahrstreifen der  Avenida 9 de Julio –  sieben je Richtung – kommen weitere Einbahnstraßen, die fälschlicherweise oft ebenfalls dazu gezählt werden. Trotzdem: Zum Überqueren braucht man Geduld. Und mindestens zwei Grünphasen Zeit.

So sitzen wir dort, vor uns ein Tablett mit Kaffee und Croissants, das eigenartige unterschwellige Deja-vue-Gefühl als mein ständiger Begleiter, wie Hintergrundmusik. Schnell haben wir einen Standardplatz und der mittlere Tisch vor der rahmenlosen Fensterfront wird sowas wie unser Ersatz-Esszimmer. Als wir an unserem dritten Morgen auf den daneben ausweichen müssen bin ich – oder das trotzige Kind in mir – kurz fast ein bisschen beleidigt. So wie das eben ist, wenn jemand den persönlichen Lieblingsplatz belagert. Wenige Minuten später bin ich wieder versöhnt mit der Welt. Wir sind nicht die einzigen Stammgäste, ein paar Meter weiter sitzt ein Mann vor seinem Laptop und spielt. Morgen für Morgen. Auch er hat einen festen Platz. Sein Ladekabel spannt sich über die Tischplatte; wir sehen ihn weder essen noch trinken, nur spielen. Am Abend sitzt er immer noch. Auch die Leute, die durch das Schnellrestaurant gehen und – in der Hoffnung, man steckt ihn ein – ihren Kleinkram ungefragt auf den Tischen verteilen, sind tagtäglich diesselben. Kugelschreiber, Sammelkarten, Kopfhörer. Nach wenigen Minuten kommen sie zurück um ihre Waren wieder einzusammeln. Oder abzukassieren.

Die Routine tut gut. Ein Hauch von Alltag, den wir lange nicht hatten. Sehr bald stellt sich sogar bereits abends eine Art Vorfreude auf das Frühstück ein.

// Never No Party in Buenos Aires

Wir sitzen dort und planen den Tag, nur um wenig später festzustellen, dass wir uns die Planung fast hätten sparen können. An jeder Ecke lauern Veranstaltungen, Feste, Protestaktionen. Niemals ist nichts los, niemals landen wir nicht zufällig inmitten irgendeiner Großveranstaltung.

Buenos Aires schläft nicht. Das stellt die Stadt immer wieder unter Beweis. Schon kurz nach Ankunft ziehen unzählige Menschen mit Schildern und Transparenten, trillerpfeifend und laut rufend an unserem Hotel vorbei. Nur eine Demo von vielen.

An einem Tag finden wir uns ganz plötzlich mitten in einem Eiscreme-Festival wieder, am nächsten feiern Schüler und Schülerinnen in einem Park ihren Schulabschluss. Sie tanzen, singen, tauchen die Stadt in bunten Nebel. Abends rauschen hunderte Inlineskater an uns vorbei.

Wie gehen durch die Stadt, haben eigentlich etwas ganz anderes vor und dann steht sie plötzlich vor uns: Eine Mauer aus Menschen. Die Straßen sind abgesperrt, auf der Fahrbahn steht ein Tisch, so lange, dass wir weder Anfang noch Ende ausmachen können. Irgendwo ist eine Bühne, darauf ein Sänger. Luftballons ragen aus der Menge. Kurz dauert es bis das Geschehen greifbar wird und wir verstehen, was hier eigentlich passiert. Eine Backaktion. Männer und Frauen in weißen Schürzen und mit vom Mehl verstaubten behandschuhten Händen belegen eine fünfhundert Meter lange Pizza.

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// Sonntag ist Markttag

Sonntags zieht es uns in den Stadtteil San Telmo zur Feria de San Pedro Telmo, einem großen Straßenmarkt. Straßenmärkte hatten wir bereits viele auf unserer Reise, vor allem in Südamerika. Zuerst macht sich Skepsis breit – Schon wieder Markt? Auf dem Plaza Dorrego angekommen bin ich dann sofort überzeugt. San Telmos Markt hebt sich ab von all den anderen. Im Mittelpunkt stehen Antiquitäten, Second-Hand-Kleidung. Individuelle Handwerkskunst anstatt typischer Souvenirs und billiger Massenware. Zwischen den Ständen wird Tango getanzt, in den Parallelstraßen kleben Künstler buntes Klebeband auf Wände, Mauern und Boden. Sowieso findet sich Straßenkunst in diesem Stadtteil Buenos Aires‘ an allen Ecken. Ich könnte Stunden hier verbringen.

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// Und sonst so?

Zu Fuß unternehmen wir einen Tagesausflug nach Palermo, der flächenmäßig größte von Buenos Aires‘ achtundvierzig Stadtteilen. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt in der Buchhandlung El Ateneo Grand Splendid, sie ist laut The Guardian die zweitschönste der Welt. Schon als wir das ehemalige Theatergebäude betreten, bin ich hin und weg. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Buchladen irgendwo auf der Welt noch schöner sein kann.

Wir schlendern durch die Parks der Stadt, essen Eis am Hafen, bestaunen die vielen hübschen Gebäude und begutachten  die Casa Rosada, den rosafarbenen Präsidentenpalast.

Und langweilig? Ist uns nicht eine Sekunde.

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Sophie

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