Das Verlangen nach Natur: Biocentro Güembé // Santa Cruz, Bolivien

Angekommen, Aufgesucht & angesehen

Santa Cruz De La Sierra ist die größte und wahrscheinlich modernste Stadt Boliviens. Wir entflüchten ihr für einen Tag.

 

// 11. – 17.11.2016 | Santa Cruz De La Sierra, Bolivien

Wir sitzen im Taxi, der Fahrer lässt das Fahrzeug langsam vom Flughafengelände rollen. Langsam, verhältnismäßig aufmerksam, sogar ein bisschen vorausschauend; beinahe so wie es einen die Fahrschule lehrt. Ein schon fast in Vergessenheit geratener Fahrstil. Es ist früher Abend, nach eigentlichem Zeitplan wären wir schon seit fast zwei Stunden hier. Hätte sich unser Flug nicht verspätet. Erleichtert, nun endlich angekommen zu sein, starren wir müde und geschafft nach draußen, der Fahrtwind weht durch die offenen Fenster. Sicher, dass wir noch im gleichen Land sind? Die Luft ist warm und feucht, wir tauschen Pullover gegen kurzärmlige Shirts, dicke Socken gegen keine. Die Sonne steht tief und lässt unsere Umgebung in warmem Licht erstrahlen. Schon nach wenigen Sekunden fällt uns der Gesang der Vögel auf. Erst jetzt wird mir klar, wie lange ich kein Vogelgezwitscher mehr gehört haben muss. Stefan scheint Ähnliches durch den Kopf zu gehen. Die Umgebung nimmt uns gefangen und lässt uns unsere Müdigkeit vergessen. Um uns herum ist es ungewohnt grün. Wiesen, Bäume, bepflanzte Verkehrskreisel. Am Horizont sehen wir Wolkenkratzer und Palmen. Das Stadtbild von Santa Cruz De La Sierra erinnert im ersten Moment an das von Miami. Ebenfalls ein Gedanke, den wir beide denken und fast zeitgleich aussprechen. Wir fahren weiter, staunen weiter.

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Plötzlich steht da eine Gruppe im Partnerlook gekleideter Menschen. Die Männer und Jungs tragen dunkle Latzhosen und ausgebeulte meist hellbeige Hüte, Frauen und Mädchen altmodische Blumenkleider in gedeckten Farben, die Haare zu streng geflochtenen Zöpfen gebunden. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Mennoniten, erfahren wir bald darauf. Sie leben außerhalb der Stadt, von aller Modernität abgeschottet. Regelmäßig kommen sie  hierher um ihre Waren an Straßenhändler weiter zu verkaufen; Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch.  Ansonsten wollen sie mit all dem hier nichts zu tun haben, moderne Technik lehnen sie größtenteils ab: Sie raube die Seele. Im Hinterkopf dieses Wissen, in den Händen Smartphone und Kamera, werde ich später irgendwann an ihnen vorbei gehen und mich dabei ziemlich eigenartig fühlen. Ihre emotionslosen Blicke jagen mir einen kalten Schauer über den Rücken.

Santa Cruz ist das wirtschaftliche Zentrum Boliviens und gilt als modernste und wohlhabendste Stadt des Landes – außerdem ist sie mit knapp eineinhalb Millionen Einwohnern die größte.  Ein heftiger Sprung: Vor vierzig Jahren waren es nicht viel mehr als zweihundertfünfzigtausend.  

Unweit von unserem Hostel steht ein Flugzeug –  El Avion Pirata – auf einem rundherum bepflanzten Platz zwischen den Fahrbahnen einer stark befahrenen mehrspurigen Straße, vor Jahren musste die mit Drogen vollgepackte Maschine hier notlanden. Und wurde nie wieder weg bewegt. Je näher wir unserer relativ zentral gelegenen und von Obst- und Gemüseständen umgebenen Unterkunft kommen, desto mehr relativiert sich der erste Eindruck; Das saftiggrüne Bild der Stadt verblasst. Noch immer gibt es viele Bäume; zwischen Hochhäusern hervorblitzende Palmen. Parks und Grünanlagen, der Rasen ordentlich gestutzt. Man sieht der Stadt an, dass sie eine der wohlhabenderen Südamerikas ist. Trotzdem weichen die singenen Vögel zum Großteil wieder Straßenhunden, aus Grün wird Grau, Braun, Beige, Greige, Taupe und wie sie nicht alle heißen. Und wir, angefixt von der Natur, ihrer beeindruckenden Palette an Grüntönen und dem fröhlichen Singsang der Vögel, entflüchten dem Großstadtdschungel. Zumindest für einen Tag:

 

B I O C E N T R O

G Ü E M B É

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Zu dritt laufen wir durch den riesigen Park, vorbei an Mangobäumen und Bananenstauden. Unsere Lungen erfreuen sich an der reinsten Luft seit langem. Stefan und ich bekommen eine Privatführung, es ist unter der Woche und wir scheinen die einzigen Besucher zu sein. Später werden wir auch die Pools und den See, auf dem man Kajak fahren kann, fast für uns alleine haben. Touristen gibt es in Santa Cruz sowieso nicht besonders viele. Ein paar Meter vor uns huscht eine Horde kleiner Affen über eine Brücke. Die? Nein, die leben hier nicht, die kommen nur zum Essen vorbei, erklärt unser Guide. Andere Affen gibt es schon, manche von ihnen leben auf der Affeninsel inmitten eines Sees, andere warten auf die Fertigstellung eines neuen, größeren Geheges. Schildkröten, Vögel, Schmetterlinge, Reptilien, Insekten, Tapire, Rehe. Die meisten Tiere, die hier leben, wurden als Haustiere gekauft und oftmals kurz danach ausgesetzt. Für eine Anpassung an die Wildnis ist es zu spät.

Sophie

 

 


BIOCENTRO GÜEMBÉ

Absolut empfehlenswert! Neben dem Bestaunen von Flora und Fauna ist hier noch sehr viel mehr geboten. Alleine an den vielen Pools hier lässt sich locker ein Tag verbringen. Und wer sich nicht wundlegen will, legt zwischendurch einfach eine kleine Kajaktour ein. Alles im Eintrittspreis inbegriffen.

biocentroguembe.com

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