Von Märkten, Magie und dem Morgen danach // Eine Woche La Paz, Bolivien

Aufgesucht & angesehen, Whattodo

Knapp eine Woche verbringen wir in La Paz, dem auf 3600 Metern Höhe gelegenen Regierungssitz Boliviens. Eine Zusammenfassung.

// 05.11. – 11.11.2016 | La Paz, Bolivien

Sechs Übernachtungen. Ganz schön lange. Es ist bisher die längste Zeit, die wir am Stück an ein und demselben Ort verbringen. Wir haben viel Zeit, die es zu nutzen gilt und das tun wir nach unserem Empfinden und unter Einhaltung unserer allgemeinen Reisebedürfnisse (💤) sehr gut. Ruhigere und erlebnisreiche Tage gleichen sich aus; Rumrennerei und Rumhängerei sind im Einklang, sie halten sich die Waage.

Ein Ausflug zum Mondtal am Anfang unseres Aufenthaltes, ein bisschen Action gegen Ende. Und dazwischen? Steht vor allem die Stadt selbst im Fokus. Wir erkunden La Paz, entdecken die Gegensätze seiner einzelnen Stadtteile.

Treten wir durch die Eingangstür unseres Hostels nach draußen, finden wir uns mitten in einer steilen Gasse wieder, laut und voller Menschen. Die meisten scheinen es eilig zu haben, rauschen vorbei, geschickt den vielen Hindernissen ausweichend. Der Gehweg ist schmal und übersät mit kleinen Verkaufsständen. In unserer Straße wird hauptsächlich Schmuck angeboten. Fast schon eine erfrischende Abwechslung nach all den Textilhändlern mit ihrer immer gleichen Auswahl an Taschen, Decken und Pullovern und all den mit unzähligen Süß- und Backwaren gefüllten Vitrinen.

Der Gehweg ist so schmal, dass auch ohne Staßenhändler ein Ausweichen auf die Straße oft unumgänglich ist, spätestens dann, wenn eine Person aus entgegengesetzter Richtung kommt. Und es kommen ununterbrochen Menschen aus entgegengesetzter Richtung. Die Autos quetschen sich quietschend  und hupend durch die enge Straße, lassen kaum Platz zwischen ihrem eigenen Fahrzeug und dem davor. Auch hier in La Paz interessiert sich offensichtlich kaum jemand für Verkehrsregeln, Zebrastreifen und Ampeln sind nicht mehr als Dekoration. Weiter in Richtung Zentrum verläuft sich das Ganze ein wenig, zumindest die Straßen werden breiter, die Gehwege geräumiger. Es gibt mehrere große Plätze in der Stadt, der Hauptplatz – PLAZA MURILLO –  befindet sich direkt im Regierungsviertel, mitten zwischen Regierungspalast und Kongress. Vor einigen Jahren hat es hier einen größeren Aufstand gegeben. Angekündigte Steuerhöhungen, Rentenkürzungen und die Flucht des damaligen Präsidenten ins Ausland. An einem an den Platz angrenzenden Gebäude sind die Einschusslöcher noch deutlich sehen.

Sonntagnachmittags scheint der Platz besonders viele Menschen anzuziehen. Auf dem Boden sitzen inmitten unzähliger Tauben kleine lachende Kinder mit ausgestreckten Armen, in den Handflächen Popcorn. Das Füttern der Tiere ist nicht nur erlaubt, es scheint einen richtigen Markt dafür zu geben. Der Verkauf von Futter als scheinbar lohnenswertes Geschäftsmodell. Das ist uns so oder so ähnlich bereits in vielen Städten Südamerikas begegnet. Vögel und Kinder sind gleichermaßen außer sich vor Begeisterung, teilweise jagen letztere ersteren hinterher. In meinem Fall scheint sich das Ganze eher umgekehrt zu verhalten. Mehrere Tauben fliegen so dicht über meinen Kopf hinweg, dass sie ihn berühren und sich in meinen Haaren verfangen zu scheinen.

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Berühmt ist La Paz nicht zuletzt für seinen wahrscheinlich in jedem Reiseführer erwähnten Mercado de Hechicería, dem HEXENMARKT. Lamaföten baumeln über den Eingängen der kleinen Shops, neben Kunsthandwerk und dem üblichen Kleinkram findet sich hier jede Menge Hokuspokus. Was vor langer Zeit mit Heilkräutern, Kokablättern, Fröschen und Schlangenfleisch begann, entwickelte sich nach und nach zur hauptsächlich Touristen anziehenden Absurdität. Bunt etikettierte Dosen und Kistchen mit angeblichen Zaubermittelchen werden angeboten; sie versprechen ungefähr alles, was man versprechen kann. Reichtum, beruflichen Erfolg, Glück, Schwangerschaft, willenlose Frauen, den Schutz vor bösen Geistern. Eine der Bolivianerinnen, die uns im Rahmen einer Stadttour durch die Straßen führt, rät zur Vorsicht. Eine Touristin sei aufgrund ihres Einkaufes hier bei ihrer geplanten Ausreise in Schwierigkeiten geraten. Durch einfaches Pusten des „Liebespulvers“ in Richtung Wunschpartner soll dessen Aufmerksamkeit erregt werden und Zack! Große Liebe, Happy End. Überzeugt von der Wirkung – oder das Zeug wenigstens für ein ironisch-witziges Souvenir haltend – soll sie gleich mehrere Päckchen davon mitgenommen haben, woraufhin sich die Sicherheitsbeamten am Flughafen empört zeigten. Sie ordneten das feine weiße Pulver leider ganz anders ein.

Der Wahrheitsgehalt der Geschichte darf angezweifelt werden. Möglicherweise ist sie nur eine von vielen Mythen rund um den sagenumwobenen Hexenmarkt. Das einzige, was unumstritten zu sein scheint, sind die Lamaföten: vergräbt man sie beim Hausbau, gibt man damit Pachamama, der Mutter Erde, ein Stück Natur zurück. Soll Glück bringen.

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Märkte gibt es beeindruckend viele. Wir durchkreuzen die Markthallen und Straßenmärkte der Stadt und finden unser Highlight letztendlich doch woanders. Mit der Seilbahn fahren wir in die fünfhundert Meter höher gelegene Stadt El Alto, zum – so heißt es zumindest – wahrscheinlich größten Markt der Welt. Bis 1985 war El Alto Stadtteil von La Paz, mittlerweile ist sie nicht nur eigenständige Stadt, sondern auch um knapp hunderttausend Einwohner reicher als La Paz selbst und damit die zweitgrößte Stadt Boliviens. Tatsächlich scheint es auf dem jeden Donnerstag und Sonntag stattfindenden „FERIA EL ALTO“ alles zu geben (Hier die Karte). Von Autos und einzelnen Teilen davon, über Möbel und Sanitäranlagen, Kleidung und Spielzeug, bis hin zu Elekronik und Tieren. Sogar Waffen sollen Teil des Sortiments sein. Sollen. Von uns selbst bleiben sie ungesehen. So wie viele andere der angebotenen Waren: Bestenfalls sollte man sich für den mehrere Quadratkilometer großen Markt einen kompletten Tag Zeit nehmen. Bei unserer Ankunft ist jedoch bereits früher Nachmittag und als es dann zwei Stunden später auch noch zu nieseln beginnt, packen einige Verkäufer nach und nach ihre Produkte ein. In der Kabine der Seilbahn sitzend haben wir trotz zerkratzten, dreckverschmierten Schreiben den besten Blick über die Stadt. Drei Seilbahnlinien gibt es derzeit in La Paz, in den nächsten Jahren sollen sechs weitere dazu kommen. Das Seilbahnnetz wird nach voraussichtlicher Fertigstellung im Jahr 2019/20 das größte der Welt sein.

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UND SONST SO? Wir hängen in Cafés rum, essen zum ersten mal   – und ohne zu wissen, dass wir vorerst keine vegetarischen mehr finden werden – Salteñas (und sind begeistert). Wir probieren uns durch die vielen Sorten Eiscreme und suchen nach italienischer Pizza und trinkbaren Heißgetränken (Cappuccino!) abseits von Nestlé-Instantkaffee. Wir feiern unser viermonatiges Reisejubiläum, schauen die US-Präsidentschaftswahl in einem Pub – Und fragen uns am nächsten Morgen, ob das Desaster tatsächlich real ist oder uns lediglich die blasse Erinnerungsfetzen an einen ziemlich verrückten alkoholgeschwängerten Traum einen Streich zu spielen versuchen.

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Sophie

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