Eine Stadt in Feierlaune // Puno, Peru

Angekommen, Aufgesucht & angesehen

Wir erwarten nicht viel von Puno, unserer letzten Station in Peru. Eigentlich nichts. Und dann mogelt sie sich ziemlich weit nach oben auf der ungeschriebenen Liste unserer persönlichen Reisehighlights.

// 30. + 31.10.2016 | Puno, Peru

Es ist halb sechs Uhr morgens. Krampfhaft versuchen wir uns wachzuhalten. Wenigstens bis zum Frühstück in einer halben Stunde, hungrig sind wir schon jetzt. Danach können wir schlafen so lange wir wollen. Wir haben nichts vor, es gibt hier nicht viel zu tun. Der einzige Grund für unseren Aufenthalt hier: Ein Zwischenstopp. Die direkte Fahrt weiter nach Bolivien dauert uns einfach zu lange.

Unsere Ankunft in Puno ist nicht mal eine Stunde her, die Sonne war gerade dabei aufzugehen als wir aus dem Bus krochen. Wieder eine Nachtfahrt. Geplant war das nicht: Es ist halb neun Uhr morgens als wir mit Sack und Pack am Busbahnhof stehen, bereit einzuchecken, und feststellen, dass unser Bus nicht wie gedacht um zehn Uhr vormittags sondern erst am Abend losfährt. (Ups. Nehm‘ ich auf meine Kappe.) Immerhin bleibt uns so ein Tag mehr in Cusco, eine Stadt, die wir wirklich mögen. Wir versuchen das Beste daraus zu machen. Trotzdem sind wir froh, als wir gut dreizehn Stunden später endlich unterwegs nach Puno sind. Und noch froher, als wir wieder aus dem Bus kriechen, früh am Morgen als die Sonne gerade dabei ist aufzugehen.

Es gelingt uns wundersamerweise tatsächlich wach zu bleiben. Wenigstens bis zum Frühstück. Und schlafen danach wie Steine. Schon als wir gegen frühen Mittag aus unserem Tiefschlaf erwachen, hören wir die leise Musik aus der Ferne. Trommeln, eine Kapelle. Wir denken uns nichts dabei, nehmen die Hintergrundbeschallung bereits nach wenigen Minuten nicht mehr wahr, vergessen sie sogar. Bewusst wird sie uns erst wieder als wir uns kurz danach in die Stadt aufraffen. Und mitten in einer Festparade landen. Mitten im „Gran Corso de Homenaje“, wie wir am nächsten Morgen, dank der Aufnahmen des Umzuges die über den Fernsehbildschirm im Frühstücksraum flimmern, erfahren werden.

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Die Leute haben Spaß, lachen, essen Eis und Würstchen. Am Straßenrand wird gegrillt – noch mehr als sonst. Verkaufswagen mit süßen Backwaren werden umher geschoben. Noch mehr als sonst. Ein Mann pustet Seifenblasen, um ihn versammeln sich aufgeregt hüpfende Kinder. Es zieht eine Tanzgruppe nach der anderen an uns vorbei, ihre jeweiligen Roben ähneln einander meist ebenso wie die Choreographien. Einfache Schritte, schnell zu erlernen. Wenige Schritte, sich ständig wiederholend. Alle Generationen sind involviert, von kleinen Kindern bis alten Damen. Die Frauen tanzen, die Männer sorgen für musikalische Begleitung. Strikte Geschlechtertrennung. Bonbons werden geworfen und spätestens als ein bunter Wagen mit Drachengesicht vorbeifährt werde ich an einen deutschen Faschingsumzug erinnert. Nur ohne Trinkgelage. Die Parade scheint kein Ende zu nehmen, erst kurz vor Sonnenuntergang löst sie sich langsam auf.

Halloween: Ein kleiner Spiderman nach dem anderen huscht an uns vorbei. Überhaupt scheinen Superhelden  hoch im Kurs zu stehen.

Am Tag darauf geht die Feierei weiter. Schon am frühen Nachmittag sehen wir einzelne kostümierte Kinder durch die Stadt laufen, jeweils eine Hand an einem Elternteil, die andere an einer kleinen bunten Laterne festhaltend. Wie wundern uns nicht – noch nicht – es ist schließlich Halloween. Die Verwunderung kommt später. Zwei Stunden verbringen wir in einem Café, beim Verlassen ist es bereits dunkel. Als wir die Tür nach draußen öffnen, rechnen wir nicht damit, gegen eine Wand aus Menschen zu stoßen. Unglaublich viele tummeln sich in den Straßen, kaum ein quadratmetergroßes Stück freie Bodenfläche ist zu finden. Kleinkinder in Kostümen an der Seite ihrer (unkostümierten) Familien. In den Händen die vermeintlichen Laternen, die sich als kleine Eimerchen zum Sammeln von Süßigkeiten herausstellen. Ein kleiner Spiderman nach dem anderen huscht an uns vorbei, überhaupt scheinen Superhelden hoch im Kurs zu stehen. Prinzessinnen, ein mit einer Axt bewaffneter Killerclown. Dazwischen offizielle Fotografen, Sofortfotodrucker unter ihre Arme geklemmt. Ein über beide Ohren strahlendes vielleicht dreijähriges Mädchen rast in ihrem batteriebetriebenen  rosa Cabriolet an uns vorbei, ein nicht viel älterer Anzug tragender Junge mit roter Fliege sitzt stolz auf seinem Dreirad. Sein Gesicht schmückt eine Maske, er hat sich als Jigsaw-Puppe verkleidet, Hauptfigur der bekannten Thriller/Horrorfilmreihe „Saw“. Und ist mindestens so gruselig wie das Original. Die Kinder rennen umher, klettern übermütig die große steinerne Statue auf dem Platz, auf dem sich alles zentriert, hoch. Sie sind aufgeregt und aufgedreht, wirken teilweise sehr übermüdet, vor allem aber: unfassbar glücklich. Und auch wir freuen uns. Und erleben ganz unverhofft vielleicht unser bestes Halloween aller Zeiten.

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Sophie

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