Sieben Tage südwärts – Zu viert die kalifornische Küste entlang // USA

Abschied, Auf Achse

Es ist bereits spät, als wir uns an unserem ersten gemeinsamen Abend mit Mascha und Bene – in der Vierer-Konstellation, in der wir eine volle Woche anzutreffen sein werden –  südlich des Big Sur niederlassen.

 

 

// 10. – 17.09.2016

Weil die offiziellen Campingplätze entweder alle voll oder aufgrund mehrerer Waldbrände geschlossen sind, parken wir direkt am Straßenrand des Pacific Coast Highway und gehen ein Stück bergab, nähern uns dem Meer. Das Gelände ist weder als privat ausgeschildert, noch ist das Campen hier ausdrücklich verboten; die Umzäunung nur halbherzig und unvollständig. Später wird sich herausstellen, dass es sich um eine vor allem bei Surfern beliebte Day-Use-Area handelt. Wir bauen die Zelte im Dunkeln auf. Die wahre Schönheit des Ortes bemerken wir erst als die Sonne wieder aufgeht. Der Nebel hängt tief, scheint sich in den Bergen, in den darauf wachsenden Bäumen zu verfangen; drei Rehe huschen vorbei.

Es ist überraschend frisch, ich trage zwiebelschalenähnlich gleich zwei Pullover übereinander und als wir mit Zeltabbau und Packen fertig sind, sind meine Finger von der Kälte steif. Dass ich schnell friere ist wahrlich kein Geheimnis, dass es in diesem Umfang in Kalifornien so sein wird, hätte ich nicht gedacht. Ich hake das Ganze als Ausnahme ab, schiebe es auf unsere aktuelle geografische Lage direkt an der Küste, ein bisschen auch auf die noch recht frühe Tageszeit, will es einfach nicht wahrhaben, und hätte mir an diesem Morgen jemand prophezeit, dass sich die Temperaturen auch in den folgenden Tagen nicht großartig ändern werden, wäre meine Antwort vermutlich lautes Lachen gewesen. Die Wettervorhersage spricht sogar von möglichem Schneefall in höher gelegenen Gebieten, beispielsweise in  den Nationalparks Sequoia und Yosemite. Anfangs halte ich das für einen Scherz.

Wir bleiben den Tag über am Meer, angeln mit den von Mascha und Bene mitgebrachten Angeln und angeln genau: nichts. Wieder ist es dunkel, als wir unser Lager aufschlagen und eine unserer Zeltstangen bricht. In alter Pfadfindermanier wird gebastelt, wir bauen mit Hilfe unserer Wäscheleine ein Provisorium. Auf das Außenzelt müssen wir verzichten, zum Glück ist Regen in Kalifornien zu dieser Jahreszeit ziemlich unwahrscheinlich und wir bleiben tatsächlich davon verschont. Bis wir wieder in L.A. sind, müssen wir mit diesem ziemlich abenteuerlich anmutenden Konstrukt auskommen und jedes weitere Ab- und Aufbauen lässt mir kurz den Atem stocken und ziept an meinen Nerven. Die Angespanntheit lässt von Tag zu Tag etwas nach, das Zelt hält. Glücklicherweise werden wir auf dem Roadtrip keine weiteren Schwierigkeiten mit ihm haben, auch an den wackligen Anblick haben wir uns am Ende gewöhnt.

Es wird wärmer. Wir verbringen zwei Tage am Pismo Beach und auch wenn es uns allen zum Baden leider immer noch zu kalt ist, sind wir froh zumindest tagsüber auf unsere Pullover verzichten und kurze Hosen tragen zu können. Am Abend wird wieder geschichtet – Shirt, Longsleeve, Pullover, Jacke –  Wir sitzen am Meer, schauen uns den Sonnenuntergang an und stoßen auf Maschas am Vormittag erhaltene Unizusage an. Die schnelle Rückmeldung der Hochschule kommt unerwartet, das dafür nach Deutschland geführte Videotelefonat ist schließlich erst einige Stunden her – kurz vor sechs Uhr morgens haben Stefan und ich dafür das geteilte Motelzimmer verlassen, waren mitsamt Bettdecke ins Auto umgezogen.

Der Platz direkt am Meeresufer gefällt uns gut, wir bleiben zwei Nächte. Unser letzter Abend hier ist auch der letzte unserer Nachbarn, sie laden uns vier spontan zum BBQ ein. Wir schnitzen Stöcke für das Stockbrot, kneten den Teig, den wir zum Essen beisteuern. Unzählige Dinge hat die Nachbarin vorbereitet, besonders stolz ist sie auf die selbst angebauten Tomaten ihres Bruders, saftig, fruchtig. Knallgelb und feuerwehrautorot. Tatsächlich meint man, den Garten schmecken zu können. Definitiv das aromatischste Lebensmittel seit Wochen.

Wir sind des ständigen Umziehens müde, haben das Ein- und Entpacken, das Fahren und die Campingplatzsuche satt und planen, auch am letzten Ort, Malibu Beach, zwei Nächte zu bleiben.

Direkt für beide Übernachtungen zahlen können wir nicht, dafür muss man mindestens zwei Tage im Voraus buchen; ob es für den nächsten Tag noch freie Plätze gibt, kann man uns nicht sagen. Wir schieben also das Geld für eine Nacht über den Tresen und hoffen, am Folgemorgen verlängern zu können, „wird schon hinhauen“. Dass Wochenende ist, haben wir natürlich nicht bedacht und so kommt es, dass alles reserviert ist – Seit Monaten, wie wir wenig später von den jungen Männer, die den schräg gegenüberliegenden Platz bewohnen und mit denen Stefan ins Gespräch kommt, erfahren sollen. Sie selbst hätten bereits im März gebucht.

Uns ist klar, dass wir der Stadtgrenze Los Angeles bereits sehr nahe sind und die Preise mit jeder weiteren Meile gen Süden steigen werden. Abgesehen davon, wird die Situation auf anderen Campingplätzen im Umkreis wahrscheinlich ähnlich sein. Die drei zu laut lachenden, mit Champagner bereits ordentlich angeschickerten Kerle retten uns den Kragen, als sie uns nach Schilderung unserer Situation vorschlagen, zu ihnen zu ziehen. Für sie sei das kein Problem, sie hätten den angrenzenden Platz ebenfalls gemietet, für Freunde, die im Laufe des Tages dazustoßen werden. Sie freuen sich, uns helfen zu können, warnen nur davor, dass es ziemlich laut werden könnte. Es wirkt, als freuen sie sich seit einer halben Ewigkeit auf diesen Abend. Wir sind unendlich dankbar und erleichtert, dass uns die Herumfahrerei erspart bleibt, nutzen die lang ersehnte Hitze aus und verbringen den sonnigen wolkenlosen Tag am Malibu Beach.

Den letzten gemeinsamen Abend verbringen wir im wohlig-warmen Schein des Lagerfeuers.  Ein Typ mit glänzenden dunkelviolett lackierten Fingernägeln wirft kleine mit irgendwelchen Chemikalien gefüllte Tütchen hinein, die Flammen leuchten blau, grün, lila. Er scheint sich wie ein Magier zu fühlen – wir, sein Publikum, sitzen und stehen fotografierend und staunend daneben. Dröhnende Boxen, lachende Menschen, Knicklichter, Regenbogenflaggen, rosa Plastikflamingos, mit bunten Lampignons behängte Bäume. Ein gelungener Abschluss eines wirklich gelungenen Roadtrips.

Ein Roadtrip voller neuer Erlebnisse, an dessen Ende wir sogar behaupten können, schon mal gedämpfte Muscheln und Haifischfleisch gegessen zu haben.

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Sophie

PS: Danke an unsere Reisepartner Mascha und Bene. Es war toll mit Euch! Bis hoffentlich bald mal. Sophie & Stefan

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